06.08.15

Buchveröffentlichung: "Verbietet das Bauen" / Leerstand und Flüchtlingsunterbringung

Ende August 2015 erscheint im oekom Verlag das Buch „Verbietet das Bauen“. Im gleichnahmigen blog, der von Autor und Herausgeber Daniel Fuhrhop betrieben wird steht dazu:

"Neu bauen ist oft mit Verschwendung und Prestigesucht verbunden, immer teuer und oft unwirtschaftlich; es schadet der Umwelt und fördert die soziale Spaltung unserer Städte. Der größere Teil des Bauverbot-Buches widmet sich aber den Möglichkeiten, Neubau überflüssig zu machen – mit 50 „Werkzeugen“ zeigt das Buch, wie wir unsere vorhandenen Häuser anders und besser nutzen. Der Begriff Werkzeuge meint dabei Ideen, Anregungen und Beispiele; die Liste umfasst ökonomische und soziale Argumente, Tipps für Fachleute von Architektur und Immobilien bis Stadtplanung genauso wie für jeden von uns, ob beruflich oder privat."

Buchvorstellungen
Mittwoch, 26. August 2015, Wuppertal
Donnerstag, 3. September, Berlin*
Montag, 7. September, Berlin
Mittwoch, 9. September, Köln
Mittwoch, 16. September, Oldenburg
Dienstag, 29. September, Berlin
Samstag, 17. Oktober, Frankfurt
Mittwoch, 9. Dezember 2015, Oldenburg
Genauere Angaben zu Ort und Zeit finden sich unter Verbietet das Bauen – Veranstaltungen

*Weitere Informationen zur Veranstaltung in Berlin von plattformnachwuchsarchitekten:
Flüchtlingsströme und Leerstandsmelder

Seit 11 Jahren stehen die zweigeschossigen Kasernengebäude aus den 60ger Jahren in Osterode am Harz leer. Das wissen wir spätestens, seit Til Schweiger sich via Facebook dafür einsetzt, sie für Flüchtlinge nutzbar zu machen. Aber die meisten Flüchtlinge in Deutschland stranden in Berlin und dort herrscht seit Monaten Chaos bei der Unterbringung. Auch dort stehen – teilweise seit Jahrzehnten – viele Gebäude leer. 614 Einträge meldet der aktuelle leerstandsmelder.de, eine vorbildliche Initiative „Für mehr Transparenz und neue Möglichkeitsräume in der Stadt!“, bei der in mehreren Großstädten Deutschlands jeder selbst Leerstände melden kann.

Nun ist der Senat in Berlin endlich aufgewacht und hat im zweiten Anlauf einen landesweiten „Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement“ eingerichtet. Dieser unterstützt die Verwaltung des Landesamts für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) „bei der Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben, insbesondere bei der Erstaufnahme von Anträgen im Asylverfahren und der Unterbringung von Flüchtlingen“. Der zuständige Senator Mario Czaja (CDU) bekommt nun endlich für seine „nachgeordnete Einrichtung“ LAGeSo ganze 3 Personen mehr, „für rund 4 Monate“ – das nennt man eine beherzte Unterstützung durch die rot-schwarze Koalition, mit nachhaltiger Wirkung.

16.000 Flüchtlinge sind dieses Jahr bisher in Berlin angekommen, 4.000 allein im letzten Monat. Der Senat beauftragt nun „die Mobilisierung von zusätzlichen 4000 Unterbringungsplätzen außerhalb der bereits in Vorbereitung befindlichen bis Ende des Jahres“ – also werden weitere Monate verstreichen. Zudem soll das LAGeSo dezentral weitere Büroflächen durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) erhalten, die ca. 1.600 Gebäude verwaltet, davon die meisten im Eigentum des Landes Berlin. Nach den Vorstellungen des Senators käme u.a. das frühere Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz in Betracht, wo mehr als 500 Menschen unterkommen könnten. Es steht seit Ende 2014 leer. Ob der Senator dafür wohl die Unterstützung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf bekommt?

Eine ähnliche Dimension ist auf dem früheren Klinikgelände Heckeshorn in Spandau geplant. 15 Hektar landeseigene Fläche liegen dort seit 2007 ohne Plan herum. Einst gab es in dieser besten Wannsee-Lage die Lungenklinik Heckeshorn mit ca. 400 Betten. Heute werden dort nur noch Filme gedreht. Manche Häuser sind vermietet, die meisten stehen aber leer und verfallen.

Kleinere Flächen um die 350 m2 mit Toiletten und Teeküchen stehen fertig zur Vermietung auf den Web-Seiten der BIM - in allen Lagen und Bezirken. Derzeit bietet Berlin 16.000 Betten für Flüchtlinge an. Noch in diesem Sommer werden laut Czaja 2500 hinzu kommen. Die ließen sich locker in Leerständen unterbringen - warum so zaghaft?!

Passend zu diesen Meldungen gibt es am Montag, den 7. September 2015 bei den Plattformnachwuchsarchitekten eine Diskussion anlässlich der Buchvorstellung „Verbietet das Bauen!“ von Daniel Fuhrhop. Er wandelte sich vom Architekturverleger, der fünfzehn Jahre lang vor allem über Neubauten publizierte, zum Buchautor und zum Bauverbot-Blogger, der sich gegen den Neubau wendet. Seine Argumente für eine radikale Änderung unserer Art des Bauens und Wohnens wird er in seiner neuen Streitschrift vorstellen und anschließend im Gespräch mit Sarah Oßwald und Nils Grube vom Leerstandsmelder.de diskutieren.

Sie sind herzlich eingeladen, mit zu diskutieren! – Ort: Ladenlokal Nazarethkirchstr. 39,
13347 Berlin-Wedding.

Anmeldung: info@plattformnachwuchsarchitekten.de


Kommentare

von Anne Robel am 29.08.15 15:05

Lieber Daniel, wann kommst du nach Hamburg????? Wir haben auch Leerstand. Gruß Anne Robel DIE LINKE